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Auftritte planen

Jetzt werde ich mal ganz privat und richte mich direkt an dich, die Tänzerin, die gerade ihren (ersten) Auftritt plant.

Zuerst ein persönlicher Ratschlag: Lass dich nicht überreden "mal schnell etwas vorzutanzen". Spontanauftritt für jemanden, der - wie ich - kein Profi ist, bedeutet:

  • du hast kein Kostüm dabei
  • du hast nicht die richtige Musik dabei
  • du hattest keine Zeit, dich vorzubereiten und deine Choreografie zu üben.

Alle drei Punkte: ganz schlecht! Also lass es lieber.

Der erste Auftritt findet nach meinen Erfahrungen meist im Freundeskreis statt. Meist ist es eine Geburtstagsparty, auf der jemand überrascht werden soll. Damit die Überraschung nicht nach hinten losgeht, nimm dir Zeit zum Planen.

1. Genaue Randdaten klären

Erfrage ganz genau, was von dir erwartet wird. Dazu gehören auch so Sachen wie:

  • Vor welchem Publikum tanzt du? Das ist immer gut zu wissen, damit man mit der Darbietung nicht aneckt. Vor einem extrem prüden Publikum sollte man die Erotik zurückdrehen. Omas reagieren schon mal komisch auf Stocktanz - "Soll das eine Anspielung auf unser Alter sein" - habe ich schon mal gehört. Und vor einem rein männlichen Publikum sollte man auf alle Fälle vorher klären "Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten" - gerade auf einer Junggesellenparty wird Bauchtanz gerne als Striptease missverstanden. Ein rein männliches Publikum wäre für mich persönlich für den Anfang auch keine gute Wahl.
     
  • Wo wird getanzt? Draußen oder drinnen ist schon mal wichtig - denn bei Windstärke 5 sollte man keinen Schleiertanz im Freien wagen. Wie groß ist die Tanzfläche (auf einem "Handtuch" zu tanzen ist schwierig)? Wie kommt man auf die Tanzfläche (man will ja nicht durch den ganzen Saal latschen) und wo kann man sich umziehen (idealerweise in einem warmen Raum, wo man vor Blicken geschützt ist...). All das sollte man vorher genau erfragen. Und: eine Bühne erfordert ganz anderes Make-up als ein schummeriges Restaurant.
     
  • Wann und wie lange wird getanzt? Generell "ermüdet" ein Publikum schnell, also am Anfang nicht übertreiben. Kurz und knackig, 2 bis 3 Tänze und Schluss. Das ist für den Anfang genug. Eine gute Idee ist auch, 2 kurze Durchgänge zu machen und dazwischen einen Kostümwechsel. Das ist erfreulich fürs Auge und du kannst zwischendurch mal verschnaufen (oder den Lidstrich nachziehen).
    Also klärt den genauen Zeitrahmen (von xx:xx bis xx:xx Uhr, Anzahl der Minuten). Dann kann der DJ oder Ansager auch für einen gebührenden Empfang der Künstlerin sorgen.
     
  • Welche Musik wird gewünscht? Im Seniorenheim kommen Gassenhauer wie die "Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe" prima an, da sollte man Titel wählen, die den Leuten eventuell noch bekannt sein könnten.
    Vor einem jungen Publikum darf es gern Shakira sein oder etwas mit ähnlichem Temperament. Meine Freundin hat sogar mal eine Choreografie nach Wunschlied der Jubilarin geschrieben, das ist aber schon höhere Mathematik.

    Ach ja und noch was: Wir leben in Zeiten, wo wirklich alles Geld kostet. Die GEMA sorgt nämlich dafür, dass die Komponisten, deren Lieder öffentlich gespielt werden, dafür Tantiemen bekommen. Das bedeutet: Wenn du nicht gerade selbst komponierst, solltest du bei öffentlichen Auftritten damit rechnen, dass jemand von der GEMA im Publikum sitzt. Und für diesen Fall solltest du eine ausgefüllte GEMA-Liste bei dir haben. Welche Listen es gibt und wie sie ausgefüllt werden, solltest du direkt bei der GEMA nachlesen. Normalerweise werden auf dem Blatt die abgespielten Titel und deren Interpreten festgehalten.

2. Bereite dich vor

Ein guter Auftritt erfordert einiges an Vorbereitung. Und je besser du dich vorbereitet fühlst, desto gelassener gehst du an die Sache ran, wenn das Lampenfieber zuschlägt.

  • Wähle Choreografien, die du sicher beherrschst! Und übe sie gut. Falls du eine "vorgefertigte" Choreo einer Trainerin nimmst: Schmeiß alle Techniken raus, die dir Probleme machen (oder übe sie so lange, bis sie gut sitzen). Wer absolut keine Majas machen kann, der muss das auch nicht tun. Setz einfach eine Bewegung ein, die auf die Musik passt und die du besser kannst. Das spart eine Menge Stress.
     
  • Mach unbedingt eine Kostümprobe! Mir ist es schon passiert, dass ich im Stress der letzten Wochen 2 kg verlor und der Hüftgürtel sich auf einmal selbständig machen wollte. Dann ist es gut, wenn du das am Abend vorher merkst und noch Nadel und Faden zücken kannst, um die Haken zu versetzen. Außerdem stellt man manchmal fest, dass das Kostüm so gar nicht zum Musiktitel passt. Also - lieber eine Stunde vor dem Spiegel drehen und den Kostümschrank plündern. Und sich anschließend in der gewählten Kleidung sauwohl fühlen!
     
  • Cluster bilden! Diesen Tipp habe ich von meinem Mann übernommen. Der schmeißt immer alles Wichtige auf einen Haufen, damit er nichts vergisst (wenn ich den Haufen dann mal um 50 cm verschiebe, vergisst er auch schon mal den Reisepass auf dem Weg in die USA...).
    Also: Bildet einen Haufen fürs Kostüm, einen Haufen für den Schmuck, einen Haufen fürs Make-up und dann noch einen für die Erfrischungen zwischendurch. Und dann natürlich alles einpacken. Eine gute  Idee meiner Freundin Ute: Sie "tuppert" ihre Haufen ein, sprich packt sie in durchsichtige Plastebehälter. Dann hat sie im Ernstfall alles Notwendige auf einen Griff.
     
  • Nützliches zum Mitnehmen:
    - Spiegel (idealerweise einer, den man aufstellen kann)
    - Wasserflasche (trinken, trinken, trinken)
    - Ersatz-CD mit der Musik (CDs zerkratzen auch mal)
    - kleiner portabler Mini-CD-Player (wenn die Anlage deine CD nicht spielt, hast du ein Ass im Ärmel)
    - Taschentücher
    - Abdeckstift
    - Sicherheitsnadeln - oft die Rettung, wenn irgendwas am Kostüm sich verselbständigen will
    - Buch für Wartezeiten - so ein Auftritt kann auch schon mal 30 min. verschoben werden
    - Kaftan oder sonst etwas zum Drüberziehen, warme Socken

3. Vor dem Auftritt selbst

Gib dir Luft: Fahr früher los, gönn dir Zeit zum Umziehen und Schminken. Mindestens 15 min. vor dem Auftritt solltest du eingetroffen sein, 30 min. sind besser. Das frühe Ankommen sorgt übrigens auch dafür, dass eventuelle Druckstellen von BH, Slip und Socken sich verflüchtigen. Es ist ja nun mal üblicherweise nackte Haut zu sehen.

Nimm dir Zeit für alles. Es macht Spaß, sich für einen Auftritt schön zu machen, wenn man nicht die Uhr im Nacken hat. Du sollst heute ein Höhepunkt des Abends sein, und wenn du dich schön fühlst, strahlst du das auch aus. Dein Publikum wird es dir danken.

Lass die Ersatz-CD in Reichweite bzw. den Ersatz-Player. So kannst du im Notfall schnell auf Plan B zurückgreifen. Und nun: toi, toi, toi!

4. Jetzt ist es soweit

Vorhang auf, es geht los. Oberste Regel: Lächeln! Eine Tänzerin kann noch so schön tanzen, wenn "das Gesicht zur Faust geballt ist", sieht es einfach sch... aus. Da hilft auch Perfektion nichts. Also strahl die Leute an, dann strahlen sie zurück.

Wenn du einen Fehler machst: weitertanzen! Wenn das Publikum die Choreo nicht kennt, kann es gut sein, dass niemand etwas merkt. Ich habe unzählige Male gepatzt, und solange man nicht mit mehreren synchron tanzt, ist das überhaupt kein Problem. Solange du weiterlächelst und dich einfach zur Musik anmutig bewegst. Irgendwann kommst du schon wieder in die Folge zurück.

Wenn ein schwerer Fehler passiert (der Schleier fällt zu Boden, der Fächer fliegt weg): Auch dann wird weitergetanzt. Einen Schleier kann man prima aufheben, wenn man anmutig mit Majas in die Knie geht. Und jedes Publikum (sogar der Typ, der den Fächer auf die Nase gekriegt hat) "verzeiht", wenn die Tänzerin lächelnd weitermacht und mit einem Augenzwinkern dem Publikum zu verstehen gibt: Shit happens!

5. Nun ist es geschafft - der Abgang

Du hast es überstanden - im Idealfall sogar fehlerfrei. Also lass dich auch feiern! Nicht mit eingezogenen Schultern von der Bühne huschen, sondern "grazil" den Beifall entgegennehmen. Du hast schließlich was geleistet. Ein anmutiger Knicks, eine Verbeugung, ein strahlendes Lächeln - und erst dann gehst du von der Bühne.

Und: Wenn du wirklich gut warst und die Leute brüllen, na dann mach eine Zugabe. Wie ich dich kenne, hast du dich darauf schon vorbereitet :-)

info[at]die-mit-dem-bauch-tanzt.de